Pferdesport, internationale Jugendarbeit und Nachhaltigkeit

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[Michaela Wilczek, Nicole Schwarz] Die Anforderung, sich „nachhaltig“ zu verhalten, wird zunehmend an alle gesellschaftlichen Bereiche gestellt. Dies schafft einen guten Anlass für den organisierten Pferdesport, sein Potential für nachhaltige Entwicklung konkret zu benennen: Wir sind Teil der Natur, also angewiesen auf die Erhaltung der natürlichen Umwelt. Pferdesport ist life-time-Sport, also generationsübergreifend angelegt. Und nur dann, wenn Reiter*innen UND Pferde gesund bleiben, können wir gemeinsam auch im Leistungssport erfolgreich sein, denn der Ausbildungsweg für beide Partner ist lang. Tatsächlich müssen schon ein paar Jahre investiert werden, um den Sport zu erlernen und sich dem Partner Pferd vermitteln zu können. Pferdesport schafft Achtsamkeit und erfordert Verantwortung für die Kreatur.

Gleichzeitig können wir die Bereiche identifizieren, in denen noch Platz ist für neue Konzepte und für innovative Lösungen, die den heutigen Anforderungen gerecht werden. Wir brauchen „good practice“, um den Beitrag des Pferdesports auf dem Weg zu den Sustainable Development Goals 2030 zu vergrößern und sichtbar zu machen. Zum Beispiel dadurch, dass der Sport zumeist in der Natur ausgeübt wird, hinterlassen wir „Hufspuren“, sind aber auch gleichzeitig Teil der Umwelt. Ein respektvolles Verhalten gegenüber der Natur, aber auch gegenüber anderen Interessengruppen mit denen wir uns Wege teilen, ist wichtig für die gesellschaftliche Akzeptanz des Pferdesportes. Und am Ende für ein nachhaltiges Miteinander.

Unser Projekt „GER-NAM Horses Unite“ als Internationaler Jugendaustausch von deutschen Pferdesportler*innen aus Berlin/Brandenburg und Namibia steht unter dem Aspekt „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Ganz praktisch bedeutet dies, dass wir uns gemeinsam mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf den Weg machen, die verschiedenen Lebens- und Sportbedingungen in den Ländern anzuschauen. Was bedeutet „Nachhaltige Entwicklung“ in Deutschland und was bedeutet es in Namibia? Welchen Stellenwert haben isolierte Kennzahlen wie „Wasserverbrauch“, „individueller CO2-Fußabdruck“, „Mitbestimmung“ und “Eigenkompetenz“ im jeweiligen nationalen (und kontinentalen) Kontext? Sind Alternativen verfügbar und wenn ja, welche und zu welchem Preis?
Vermittler ist dabei das Pferd selbst. Seine Bedürfnisse, sein Verhalten regt vor allem auch junge Menschen an, die eigenen Interessen einzuordnen in ein ökologisches, ökonomisches und auch soziales Gefüge. Der soziale Aspekt kommt auch im Reitsport zum Tragen. Beispielsweise beim Reiten in der Gruppe gilt die goldene Regel, auf die Schwächsten zu achten. Reiten lernen im Verein ist finanziell erschwinglich, ebenso das Voltigieren in der Gruppe. Bei der Pflege der Pferde helfen oft die erfahrenen Reiter*innen den Neulingen. Auch die gegenseitige Rücksichtnahme und der Respekt für Tier und Umwelt sind feste Bestandteile jeder pferdesportlichen Ausbildung.

Im Rahme des Internationalen Jugend-Austausches wollen wir keine abschließenden Antworten finden. Viel wichtiger erscheint es uns, ergebnisoffen den jugendlichen Blick darauf zu werfen, welches die relevanten zukünftigen Fragen an den Pferdesport sind. Das klingt sehr bescheiden, ist für uns jedoch ein großer Schritt. Mögliche Folgen könnten inspirierend in die gesamte Szene wirken. 

Die müll-reduzierte Turnierveranstaltung, ein Workshop zum Up-Cycling von Reitsport-Bekleidung, die Organisation und finanzielle „Anerkennung“ von Fahrgemeinschaften und die Verwendung von Mehrweg-Geschirr und vegetarischen Mahlzeiten bei Seminarangeboten sind gut. Und es wäre toll, wenn wir dies schon in der Breite realisieren würden. 

Bereits jetzt begleiten weitere NGO's wie die Deutsch-Namibische Gesellschaft das Projekt im Rahmen der deutsch-namibischen Sportbeziehungen aufmerksam. Damit hat der Pferdesport „ganz nebenbei“ in die Zivilgesellschaft hineingewirkt. 

Was wir benötigen, ist der Quantensprung in die Zukunft. Und deswegen fragen wir diejenigen, die die meiste Zeit „Zukunft“ vor sich haben.

Wir hoffen, dass die Corona-Pandemie bald eine Durchführung der internationalen Begegnung zulässt und sind gespannt auf die konkreten Ergebnisse!

Bis es soweit ist, starten wir mit digitalen Zusammenkünften, in denen sich die Teilnehmenden bereits im Vorfeld kennenlernen können. So kann interkontinental die Beschäftigung mit den SDGs beginnen. Damit ist auch der Grundstein für die Zeit zwischen den Begegnungen und für danach gelegt.

Michaela Wilczek, Nicole Schwarz
Landesverband Pferdesport Berlin-Brandenburg e. V.

Dieser Artikel zum Thema „Pferdesport, internationale Jugendarbeit und Nachhaltigkeit“ ist am 26.11.2020 auf der Webseite der Deutschen Sportjugend im DOSB veröffentlicht worden.

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